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Neu-Ulmer Zeitung vom 9.8.01 Das Zuschneiden von Fleisch ist Friedrich Meyer aus seinem früheren Leben als Koch gewohnt. Jetzt muss der 69 Jahre alte Rentner jedoch mit der Maus Textpassagen aus einer Vorlage ausschneiden und dann auf eine Internetseite kopieren. Der Koch macht bei einem neuartigen Projekt der Volkshochschule Ulm mit. Ehrenamtlich und vollkommen kostenlos erstellen zwölf Senioren auf VH-Computern Internetseiten für Vereine und Kirchengemeinden. Der 71 Jahre alte pensionierte Professor der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Fritz Nestle, und Rupert Höpfl, Fachbereichsleiter für berufliche Bildung der VH Ulm, hatten beinahe gleichzeitig die Idee für ein Projekt. Höpfl wollte endlich den Internetauftritt der |
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| Jugendkunstschule "Kontiki" voranbringen und Nestle im Jahr des Ehrenamtes für Leute, die sich normalerweise keinen Internetauftritt leisten können, einen solchen erstellen.
Im Februar diesen Jahres kamen 40 interessierte Senioren in der Ulmer VH zusammen, um sich über das Projekt zu informieren. Letztlich blieben dann rund zwölf ehrenamtliche Mitstreiter übrig. Diese basteln seither immer alle vierzehn Tage am Montag morgen an den verschiedensten Internetseiten. "Das, was wir machen, kann sich durchaus sehen lassen", betont Nestle. In der VH wird mit einfachsten Mitteln gearbeitet. Spezialsoftware, mit der eine Internetseite in Sekundenschnelle erstellt wäre, gibt es nicht. Vielmehr ist Alles echte Handarbeit. Bisher sind so in mühevoller Kleinarbeit Seiten wie www.senioren-ulm.de, www.muenster-ulm.de oder das jüngste Projekt www.kontiki-ulm.de entstanden. Beim Internetauftritt von Kontiki ist nur der Inhalt, also der Text von den Programmmachern vorgegeben. Die künstlerische Ausarbeitung obliegt vollkommen den zwölf Männern und ihrem Schulmeister Nestle. Nachdem es ab September ein neues Kontiki-Programm gibt, müssen die Internetseiten nun möglichst rasch aktualisiert werden. Da heißt es dann, Schnippeln, Kopieren, Ausschneiden, Einfügen und Formatieren. Das Ganze aber nicht mit Schere oder Bleistift, sondern mit der Maus und am Bildschirm. Beim einen geht das dann eben schneller, beim anderen langsamer von dannen. Friedrich Meyer ist blutiger Anfänger, zumindest was den Computer betrifft. Sein Metier sind sonst Kochtöpfe, Pfannen und scharfe Messer. Nun heißt es umdenken. Anstatt mit einer scharfen Klinge das Fett vom Steak zu entfernen, muss er nun die Leerzeilen im Text irgendwie weg bekommen. Aber wie? Wie gut, dass die Gruppe mit Fritz Nestle einen guten Lehrer hat. Nestle muss dann mal eben helfen, wenn jemand nicht weiter weiß. Meyer will trotz seiner Mühen, die er immer wieder hat, nicht aufgeben. "Man muss doch auch etwas für seinen Geist und seinen Verstand tun", begründet er, warum er immer wieder in die VH kommt. Außerdem holt er sich über das Internet auch immer mal wieder interessante neue Kochrezepte. Die Arbeit und die Ideen gehen den "Senioren Ulm", wie sie sich selbst nennen, nicht aus. Schließlich gibt es viele Vereine, die sich einen Internetauftritt wünschen würden, sich diesen aus finanziellen Gründen aber nicht leisten können. Ließe man eine professionelle Firma so etwas machen, würde es gleich mehrere tausend Mark kosten. Die "Senioren" erledigen das aber wirklich umsonst. Das macht Fritz Nestle dann besonders stolz, "dass wir mit den Profis mithalten können". Und noch etwas fasziniert ihn. Die Seiten, die die Senioren erstellt haben, sind innerhalb weniger Minuten weltweit zu lesen. Und in dieser Welt des Internet wollen die Senioren auch "ihre Duftmarke" hinterlassen, wie sich Nestle ausdrückt. "Seht her", soll damit ausgedrückt werden, "was wir können". Deshalb ist beispielsweise auch auf den Seiten von "Kontiki" überall vermerkt: "gestaltet von www.senioren-ulm.de". |
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